Krankenhaus-Verein und Bietergemeinschaft bewerben sich bei der Stadt Wiesbaden um Kauf der alten Turnhalle in Kostheim

 

alte Turnhalle Kostheim

 

 

 

 

 

 

 

Von Wolfgang Wenzel

KOSTHEIM – Die Entscheidung, wie es städtebaulich in dem Geviert zwischen dem alten Volksbad und der alten Turnhalle hinter der Wohnanlage am Museumshof in Kostheim weitergehen soll, tritt in eine entscheidende Phase. Die Stadt trennt sich von Teilen des Terrains. Konkret geht es um die aufgegebene Sporthalle sowie um ein Wohnhaus mit Gaststätte. Nach einer öffentlichen Ausschreibung im Mai endete die Angebotsfrist Mitte voriger Woche. Es seien viele Angebote eingegangen, sagte Stadtsprecherin Ilka Gilbert-Rolke.

Verkaufspreis auf 378 000 Euro taxiert

Taxiert hatte die Stadt den Verkaufspreis laut Expose auf mindestens 378 000 Euro. Beworben hatten sich unter anderem der Kasteler Krankenhausverein. Er will auf dem Grundstück eine Tagespflegeeinrichtung mit Gesundheitszentrum und altengerechten Wohnungen errichten. Sowie ein Bieterkonsortium von Kostheimer Geschäftsleuten, das früher in der Nachbarschaft der Turnhalle ein Ärztehaus etablieren wollte, aber wegen der Parkplatzfrage und anderer Details nicht zum Zuge kam.

Jetzt konzentriert sich das Interesse der beiden Bieter nach ihrer eigenen Darstellung auf das Wohnhaus sowie auf die Turnhalle, die dem Boxklub zur Verfügung gestellt werden solle. Der Verein, sportpolitisch das Aushängeschild Nummer eins, fürchtet, bei dem Geschäft mit seinen Interessen zu kurz zu kommen. Momentan trainiert er wenige Meter entfernt von der Turnhalle im alten Volksbad.

Eine Entscheidung, wer den Zuschlag erhält, hält sich die Stadt offen. Die Angebote würden gesichtet und Verhandlungen geführt, sagte die Rathaus-Sprecherin.

Der Kasteler Krankenhausverein wirbt mit dem Argument für sich, ein ausgereiftes Konzept für die städtebauliche Gesamtentwicklung Alt-Kostheims zu haben. Es gehe um das ganze Terrain zwischen Maaraue- und Mainpfortstraße, nicht nur um Turnhalle und Wohnhaus, sagte der Vorsitzende, Eberhard Faßbender. Auf diesem „Querstrang“ wolle der Verein eine Tagespflegeeinrichtung mit einem Gesundheitszentrum errichten. Das Projekt sei mit Zahlen unterfüttert. Es bestehe Bedarf für 28 Vollzeitplätze.

100 Menschen benötigen eine Tagespflege

Fachleute sprächen von 100 Bürgern, die Tagesbetreuung brauchten, um sich und ihre pflegenden Angehörigen für einige Zeit zu entlasten. Dabei sei von einem Einzugsbereich zwischen Amöneburg und Hochheim auszugehen, einem Gebiet mit einem Radius, der 13 Minuten Fahrzeit zulasse. Der Verein, der in Kastel die Sozialstation betreibt, habe einen Projektentwickler an der Hand, der in einem halben Jahr fertige Pläne für ein Tagespflege- und Gesundheitszentrum vorlegen könnte. Mitte 2018 wäre es dann so weit, dann könnte ein neues Zentrum im alten Kostheim eröffnet werden. Der Krankenhausverein wäre dann nicht nur Betreiber der Einrichtung, sondern Eigentümer der Immobilie.

Da das Projekt räumlich umfassend wäre, habe sich der Verein auch an die Nachbarstadt Mainz gewandt und Interesse am Kauf des Grundstücks einer alten Transformatorenstation in der Maarauestraße bekundet. Was aus dem ehemaligen Volksbad werden solle, ebenfalls im Eigentum von Mainz, sei eine der Fragen, auf die es noch keine Antwort gebe. Denkbar wäre es jedoch, dem Boxklub in einem neuen Pflege- und Gesundheitszentrum eine Trainingsstätte zu bieten. Dem Umstand, dass die Stadt Wiesbaden das Gasthaus in der Mainpfortstraße kurz vor dem Verkauf noch einmal für fünf Jahre verpachtet habe, könne Rechnung getragen werden. Wahrscheinlich mit der Option für den Pächter, in einer künftigen Immobilie des Krankenhausvereins ein Restaurant zu betreiben. Seit zwei Jahren suche der Krankenhausverein nach einem Grundstück, auf dem er die Idee eines Tagespflege- und Gesundheitszentrums realisieren könne. Jedes Mal, wenn er geglaubt habe, etwas gefunden zu haben, sei abgewunken worden, sagte der Vorsitzende Faßbender.

Der Boxklub sieht der Entwicklung auf dem Terrain mit großem Unbehagen, ja schon Existenzangst entgegen. Vor zwei Jahren habe ihm die Stadt Wiesbaden schon einmal einen Tiefschlag versetzt, als die Nachbarn aus Mainz dem Verein die Übernahme des alten Volksbads auf Erbpachtbasis anboten, sagte der zweite Vorsitzende Thomas Reisinger. Diese Perspektive habe die Stadt mit einem Einspruch zunichtegemacht. Daraufhin habe sich der Boxklub einen Umzug in die alte Turnhalle gewünscht. Damit sei er nicht vorangekommen, weil das Grundstück nur als Ganzes verkauft werden sollte.

Als die Kostheimer Geschäftsleute als Bieter in Erscheinung traten, hätten sie den Boxklub mit an den Tisch geholt. Und im Wissen darum, dass für sie das Überlassen der Turnhalle zu einem „Minusgeschäft“ würde, sich trotzdem darauf eingelassen. Das wäre ein Kompromiss zwischen Kommerz und Vereinsförderung gewesen, sagte Reisinger.

Rathaussprecherin Ilka Gilbert-Rolke sagte, dass der Verein in seiner angestammten Trainingsstätte im alten Volksbad bleiben könne, bis klar sei, wie es mit der alten Turnhalle weitergehe.