Neujahrsempfang 2015 des Kasteler Krankenhaus-Verein

Traditionell richtete der Kasteler Krankenhaus-Verein wieder seinen Neujahrsempfang 2015 aus. Viele Mitglieder, Kunden, Angehörige von Patienten, Gäste aus Politik, Geschäftswelt und Kooperationspartnern, auch viele Beschäftigte waren der Einladung gefolgt. Die Polizei, die Freiwillige Feuerwehr, die Kostheimer Weinkönigin sowie viele Vereinsvertreter zeigten ebenfalls ihre Verbundenheit mit der „Sozialstation Vorort“ – dem KKV.

Der erste Vorsitzende, Eberhard Faßbender, begrüßte im Namen des Gesamtvorstandes alle Gäste auf das Herzlichste. Der Veranstaltungsraum platzte spruchwörtlich, wie in jedem Jahr, fast aus allen Nähten. Eigentlich wollte Faßbender seine Neujahrsansprache in der der alten und bewährten Art und Weise wieder halten. Doch die Ereignisse der vergangenen Tage veranlassten ihn, seine Ansprache zu ändern. „Wir sind Charlie“ – so riefen viele Menschen in diesen Tagen und zeigten dabei Mut durch ihr öffentliches Auftreten, durch ihre Solidarität mit allen freiheitlich denkend lebenden Menschen. Sie verurteilten damit die abscheulichen, menschenverachtenden Attentate in Frankreich – besonders des Attentats von Paris. Er persönlich habe sich mit der Aussage „Wir sind Charlie“ erst einmal schwer getan. Er selbst habe mit Karikaturen seine Probleme, insbesondere dann, wenn für ihn religiöse Gefühle massiv verletzt werden, oder wenn einzelne Menschen damit niedergemacht, menschenunwürdig behandelt würden. Und dennoch akzeptiere und toleriere er die Karikatur an sich, weil einerseits auch er manchmal dadurch aufgerüttelt werde, über das eine oder auch andere tiefer nachzudenken.

Und – auf der anderen Seite stehen Menschen in der Bewegung „Pegida“ – bundesweit. Alle, die zu diesen Demonstrationen kommen, pauschal zu verurteilen, wäre ein Fehler. Denn dadurch würden auch wir diesen Menschen gegenüber eine Einschränkung von Wort und Bild vornehmen. Wir sollten mit diesen Menschen sprechen, sie mit Worten von unserer lang ersehnten – aber auch schwer erkämpften Freiheit überzeugen. Wir sollten diesen Menschen die Angst zu nehmen, dass die Vielfallt der Menschen heute in Europa aber insbesondere auch in unserem Deutschland eine Gefahr darstellt. Wir müssten den flüchtenden Menschen Mut machen, sie unterstützen, sie bei uns wirklich willkommen heißen, ihnen menschliche Nähe und Wärme vermitteln.  Es sind schließlich noch nicht allzu viele Jahre her, wo auch wir Hilfe – Unterstützung von außen dringend brauchten – und sie auch erhielten. Und wenn wir diesen Menschen – wenn auch nur vorübergehend helfen könnten, sie zu qualifizieren, ihnen Start- und damit auch Rückkehrmöglichkeiten für ihre Heimat ermöglichen – was kann daran falsch sein? Und die Glaubensrichtung – ob christlich oder muslemisch – als kritischen Punkt anzusehen – auch dies sei ein falscher Weg. Haben wir Angst, dass wir durch unsere Hilfsleistungen ausländischen Menschen gegenüber, unseren Wohlstand in der bisherigen Art und Weise nicht mehr aufrecht halten könnten? Jammern wir manchmal auf „hohem Niveau“?

Auch das Christentum, auf das sich ja viele in diesen Bewegungen berufen, habe in früheren Jahrhunderten mit seinen Kreuzzügen, seinen Hexenverbrennungen, seiner geheimen Inquisition massiv Menschen  verfolgt, sie im Namen Gottes getötet. Sei das alles schon vergessen?  Doch wenn heute diese Demonstranten das Kreuz – was allen Christen als Hoffnungszeichen dient, als Zeichen für ihre Demonstrationen missbrauchen, dann muss gerade das christliche Abendland hier lauter werden, das Wort ergreifen und diesen Menschen das Kreuz als Demonstrationszeichen absprechen. So wie sich das Christentum in den letzten Jahrhunderten stark verändert habe, sich auch derzeit ständig weiterentwickelt, so wird sich auch der Islam in der Zukunft verändern, sich weiterentwickeln, sich der  jeweiligen Zeit anpassen müssen, um zu überleben. Ein Großteil der jüngeren Generationen in den islamischen Ländern stehe bereits für solche Veränderungen. Sicherlich wüssten viele von uns nicht viel um die Lehre aus dem Koran, geschweige denn aus unserer christlichen Lehre. Somit könnten wir uns leider auch nicht mit diesen Glaubenden entsprechend auseinandersetzen, ihnen aufzeigen, wo zwischen der Lehre und dem geschriebenen Wort im Koran sich eine Kluft auftut. „Sind hier nicht die Religionslehrer aus allen Konfessionen gefordert, dies anzugehen?“ – so Faßbender. Wäre das evtl. für diese ein guter Vorsatz für 2015?

Es gäbe aber auch eine andere Seite, was ausländische Menschen angeht. Wer die Presse aufmerksam verfolge, könnte immer wieder lesen, dass gerade wir in Europa, somit auch bei uns in Deutschland, ausländische Pflegekräfte dringend benötigen. Hier höre er keinen Aufschrei, wenn ausländische Pflegekräfte oder Hilfskräfte, oftmals zu nicht optimalen Bedingungen für diese Menschen, in unseren Haushalten eingesetzt würden. Erlaubten wir uns, hier zu unterscheiden, soweit es uns persönlich betrifft, es uns persönlich hilft, wenn wir solche Hilfen dann in Anspruch nehmen wollen evtl. sogar müssen? Jammern wir manchmal auf „hohem Niveau“?

Faßbender dankte auch allen Beschäftigten. Deren Einsatz in der häuslichen Pflege und den Alltagshilfen bei alten und kranken Menschen ist von immenser Bedeutung. Sein Dank galt auch allen Ärzten in und um AKK, sowie den Sozialdiensten der umliegenden Krankenhäuser, die ihre Patienten der fachlichen und fürsorglichen Betreuung des KKV empfehlen.

Im November 2014 feierte der KKV sein 125-jähriges Jubiläum. Faßbender hatte sich zu diesem Anlass vorgenommen, 125 neue Mitglieder für den Verein zu gewinnen. Fast 50 neue Mitglieder sind seither schon dazugekommen. Und so freute sich Faßbender, dass er anlässlich dieses Neujahrsempfangs 7 neue Mitgliedanträge überreicht bekam.  Vor allem um Nachwuchs für den Verein möchte sich Faßbender in nächster Zeit kümmern. „Bei uns kann wirklich jeder mitmachen, sich einbringen. Wie alle gemeinnützigen Vereine leben auch wir von dem Engagement unserer Mitglieder“, sagt er. Gerade Menschen, zwischen 40 bis 60 Jahre, fehlten – auch in der Vorstandsarbeit.

Im neuen Jahr sind für Faßbender vor allem die Themen Gesundheit, politische Stabilität in Europa und ein menschenwürdiges Leben von großer Bedeutung. Für den KKV wünscht er sich einfach, dass es so erfolgreich weitergeht. „Wir alle sollten täglich das Bewusstsein haben, als Menschen für- und miteinander da zu sein.“