Pflegereform 2016 – das ändert sich!

Januar 2016 – die zweite Stufe der Pflegereform ist in Kraft getreten. Die Leistungen sind ausgeweitet. Pflegende Angehörige werden besser gestellt. Viele kranke oder auch alte Menschen wollen – sollen aber so lange als möglich in ihrer vertrauten Umgebung, in ihrem bisherigen zuhause auch weiterhin leben.

Ein Überblick:

Grundsätzlich – anstelle von Pflegestufen nun mehr Pflegegrade und damit verbunden mehr an Leistungen.

Das neue Pflegestärkungsgesetz II führt die neue Pflegebedürftigkeit ein! Eine Einteilung von bisher 3 auf nun 5 Abstufungen der Pflegebedürftigkeit wurde umgesetzt. Körperliche, geistige  aber auch psychische Einschränkungen werden nun gleichermaßen erfaßt und somit in die entsprechende Einstufung einbezogen.

Es werden nun auch Patienten mit Demenz den gleichen Zugang zu Pflegeleistungen ermöglicht. Ebenfalls solche mit einem persönlichen Handicap.

Bei der Begutachtung wird der Grad der Selbstständigkeit in sechs Bereichen gemessen, diese dann in unterschiedlicher Gewichtung zusammengeführt. Hieraus ergibt sich dann die Einstufung in einen der 5 Pflegegraden.

Bereiche der Selbstständigkeit:

1. Mobilität  (körperliche Beweglichkeit, zum Beispiel morgens aufstehen vom Bett und ins Badezimmer gehen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen)

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten  (verstehen und reden: zum Beispiel Orientierung über Ort und Zeit, Sachverhalte und begreifen, erkennen von Risiken, andere Menschen im Gespräch verstehen)

3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen   (zum Beispiel Unruhe in der Nacht oder Ängste und Aggressionen, die für sich und andere belastend sind, Abwehr pflegerischer Maßnahmen)

4. Selbstversorgung  (zum Beispiel sich selbstständig waschen und ankleiden, essen und trinken, selbständige Benutzung der Toilette)

5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen  (zum Beispiel die Fähigkeit haben die Medikamente selbst einnehmen zu können, die Blutzuckermessung selbst durchzuführen und deuten zu können oder gut mit einer Prothese oder dem Rollator zurecht zu kommen, den Arzt selbständig aufsuchen zu können)

6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte  (zum Beispiel die Fähigkeit haben den Tagesablauf selbständig zu gestalten, mit anderen Menschen in direkten Kontakte zu treten oder die Skatrunde ohne Hilfe zu besuchen)

Infos zu den einzelnen Pflegegraden:

Pflegegrad 1:  Dieser Pflegegrad greift zukünftig wesentlich früher und der Kreis der Anspruchsberechtigten wird wesentlich größer! In diesem Pflegegrad sind nun solche Menschen eingestuft, die noch keinen erheblichen Unterstützungsbedarf benötigen, dennoch aber eine Pflegeberatung, eine Anpassung ihres Wohnraumumfeldes oder Leistungen der allgemeinen Betreuung benötigen. Hinweis: bisherige Pflegebedürftige werden beim Übergang in das neue System von Pflegegraden und Begutachtung nicht schlechter gestellt!

Jeder Pflegebürftige, der bereits Leistungen aus der Pflegeversicherung erhält, bekommt auch weiterhin diese Leistungen im gleichen Umfang.

Die Umstufung von Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächst höheren Pflegegrad übergeleitet.

Beispiel:

Pflegestufe I – wird Pflegegrad 2

Pflegestufe III – wird Pflegegrad 4

 

Menschen mit geistigen Einschränkungen erhalten automatisch den übernächsten Pflegegrad.

Beispiel:

Pflegestufe 0 – wird Pflegegrad 2

Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird in Pflegegrad 4 übergeleitet

Achtung: – die Umstellung auf die neuen Pflegegrade dauert bis 1. Januar 2017!

 

Muss ich mich als pflegebedürftiger Mensch neu begutachten lassen?

Nein, alle, die bisher eine Pflegestufe haben oder bei denen eine erhebliche Beeinträchtigung der Kompetenz, ihren Alltag selbständig zu leben, festgestellt wurde, werden automatisch in einen der neuen Pflegegrade übergeleitet.

 

Pflegende Angehörige werden ab sofort besser abgesichert: Die Pflegeversicherung zahlt die Rentenbeiträge für alle, die einen Pflegebedürftigen mit mind. Pflegegrad 2 bis 5 mindestens 10 Stunden in der Woche, diese verteilt auf mindestens 2 Tage je Woche, zuhause pflegen. Die Rentenbeiträge steigen hierbei mit dem entsprechenden Pflegegrad. Steigt eine Pflegeperson aus ihrem Beruf aus, übernimmt die Pflegeversicherung die Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Dadurch bleiben sämtliche Ansprüche auf Arbeitslosengeld und Leistungen der aktiven Arbeitsförderung  erhalten, auch, wenn man den Leistungsbezug für die Pflege unterbricht.

 

Wie hoch sind künftig die Leistungsbeträge in den einzelnen Pflegegraden  (PG)?

(* Als Geldbetrag, der für Erstattung der Betreuungs- und Entlastungsleistungen zur Verfügung steht.)

Quelle: www.bmg.bund.de

HAUPTLEISTUNGSBETRÄGE IM ENTWURF DES PSG II (IN EURO)
PG1 PG2 PG3 PG4 PG5
Geldleistung ambulant 125* 316 545 728 901
Sachleistung ambulant 689 1298 1612 1995
Leistungsbetrag stationär 125 770 1262 1775 2005